Während es in den vergangenen Blogbeiträgen vor allem um situative Fehler ging, behandeln die kommenden Texte systematische Fehler des professionellen Handelns, die aus der einseitigen Auflösung von Handlungsparadoxien folgen. Schütze (1992: 148 ff.) beschreibt sieben Handlungsparadoxien, die professionelle Tätigkeiten in psychosozialen Handlungsfeldern bestimmen:
- Typisierung mittels Theoriebezug oder Situierung des Einzelfalls
- Allgemeine Prognosen oder Fallspezifität von Entwicklungsverläufen
- Geduldiges Abwarten oder sofortige Intervention
- Mehrwissen des Professionellen als Anregung oder Belastung des Arbeitsbündnisses
- Professionelle Sicherheitsbedürfnisse vs. Entscheidungsfreiheiten der Klienten
- Biografische Ganzheitlichkeit vs. Expertenspezialisierung
- Vormachen vs. Förderung von Unselbstständigkeit
Zusätzlich zu diesen Paradoxien habe ich noch fünf weitere Paradoxien identifiziert, die insbesondere für das pädagogische Handeln in den stationären Erziehungshilfen konstitutiv sind:
- Partizipation vs. Grenzen der Partizipation
- Einforderung der Regeleinhaltung vs. Akzeptanz von Regelverstößen
- Übernahme von Schutzverpflichtung vs. Förderung eigener Erfahrungen
- Anforderungen dosieren als Entlastung vs. Vermeidungsförderung
- Lügen als Freiraum vs. problematisches Verhaltensmuster
Wer in psychosozialen Arbeitsfeldern professionell handeln will, muss diese Handlungsparadoxien im Auge behalten. Werden diese Widersprüche der Fallarbeit in Fallverläufen nicht ausreichend reflektiert, drohen systematische Fehler durch starke Vereinseitigungen, die zu problematische Hilfeverläufen beitragen können. In den kommenden Blogbeiträgen werde ich diese Paradoxien ausführlicher erläutern und ihre Bedeutung anhand von Fehlern aus meiner eigenen Berufspraxis veranschaulichen.,
Literatur